Schulmädchen-Report

In dieser Episode vom Filmmagazin geht es um die Filmreihe Schulmädchen-Report und wie sie heute einzuordnen sind.
Illustration: Kirschkunst // Angelehnt am Filmposter von Schulmädchen-Report 8: Was Eltern nie erfahren dürfen

Mehr als sechs Millionen Zuschauer und elf Fortsetzungen sprechen eine eindeutige Sprache. Als der erste Schulmädchen-Report im Jahr 1970 in den deutschen Kinos erschien, war er ein Straßenfeger. Der Film zeigte Sexualität wie es Jahre davor noch undenkbar war. Jede wollte mit jedem und umgekehrt, in der Regel aber Jüngere mit Älteren. Sex zwischen Mann und Frau war nicht mehr nur in einem ehelichen Kontext zu sehen. Doch hinter dem angeblichen Tabubruch steckten auch höchst problematische Bilder, die besonders Frauen eine neue Rolle aufdrückten.

Man(n) sah einer voyeuristische Kamera zu, wie sie Minderjährige sexualisierte und zum Quell männlicher Begierde machte. Ein pseudo-wissenschaftlicher Anstrich mit Straßeninterviews erzeugte den Anschein von Authentizität und Repräsentativität. An allen Ecken und Enden wurde sexualisierte Gewalt zelebriert und verharmlost. Kurzum: Schaut euch die Schulmädchen-Reporte lieber nicht an! Damit ihr trotzdem wisst, was hinter diesem Kapitel deutscher Kinogeschichte steckt, haben wir uns mit der Reihe auseinandergesetzt. Wir sprechen in unserer Podcastüber bestimmte Details aus der Reihe, deswegen für diese Episode einige Content-Warnungen wegen: sexualisierter Gewalt, Vergewaltigung und Suizid.

Die Vorgeschichte zum Schulmädchen-Report

Den Filmen vorangegangen war ein gesellschaftlicher Wandel, der heute als „Sex-Welle“ bezeichnet wird. Mitte der 1960er-Jahre ändert sich das Körperbild, nackte Körper sind im öffentlichen Raum wesentlich häufiger zu sehen, Erotik-Verlage feiern Rekordumsätze und ab 1968 propagierte die Studentenbewegung die Befreiung der Frau.

Dahinter steckten aber vor allem neue Zwänge und Normen, erzählt uns der Historiker Dr. Pascal Eitler im Interview. Er lehrt aktuell an der Medizinischen Hochschule Hannover und forscht zur Körper-und Emotionsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Mit ihm unterhalten wir uns über die geschichtlichen Hintergründe, die den Schulmädchen-Report erst möglich machten.

Original-Poster von Teil 8

Indizierung und problematische Inhalte

An einen Großteil der Filme kommt man heute nur noch schwer heran. Das liegt daran, dass sie sich auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) befinden. Obwohl es bereits Anträge zur Streichung gab, wurde bei Teil 1 und 3 nachträglich sogar eine mögliche strafrechtliche Relevanz wegen Kinderpornographischer Inhalte festgestellt. Über den derzeitigen Stand informiert uns Michael Terhörst von der BPjM. Wir klären zudem wie ein Indizierungsverfahren abläuft und welche rechtlichen Konsequenzen daraus folgen.

Mit der Journalistin Emeli Glaser betrachten wir die Reihe aus heutiger Sicht. Wir schauen uns an, wie sie Frauen und Männer porträtiert und dabei bestimmte Opfer-Täter-Narrative aufbaut. Emeli Glaser hat in einem Artikel für die FAZ den ersten Schulmädchen-Report genauer unter die Lupe genommen und in Bezug zur 68er-Bewegung gesetzt.

Linkliste – Shownotes

Pascal Eitler

Pascal Eitler an der Medizinischen Hochschule Hannover

Wissenschaftliche Publikationen auf Academia

BPjM

Webseite der BPjM

Emeli Glaser

FAZ-Artikel von Emieli Glaser über den Schulmädchen-Report

Twitter-Kanal von Emeli Glaser

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