Rififi bei den Deutschen: Warum ein Film angeblich Kriminelle inspirierte

Ein Schmetterling fliegt vor einer komplett zerstörten Stadt.
Illustration: Kirschkunst

Schockschwerenot! Deutschland ertrinkt in einer Einbruchswelle. Und das alles nur, weil Kriminelle vorher einen ganz bestimmten Film gesehen haben! So ähnlich lauten einige der Schlagzeilen in Deutschland im Jahr 1956. Besonders in München und Umgebung schlägt die Veröffentlichung des französischen Kriminalfilms Rififi hohe Wellen. Darin geht es um einen Raub in einem Juweliergeschäft. Die zentrale 20-minütige Einbruchsszene beeindruckt das Publikum weltweit. So etwas hatte man in dieser Form noch nicht gesehen. Auch in Deutschland war man angetan von der Detailverliebtheit und der spannungsgeladen Geschichte. Doch dann berichten mehrere Zeitungen, dass in letzter Zeit vermehrt Einbrüche auftreten. Schlimmer noch: Sie alle liefen so ab, wie in Rififi dargestellt.

Damit war das Urteil gesprochen. Dieser Film dient Kriminellen und denen, die es noch werden wollen, als Vorlage. Politiker und Filmkritiker fordern ein Verbot. Der FSK wird vorgeworfen, eine lasche Hand walten zu lassen. Eine Verschärfung steht im Raum. Währenddessen schreiben Medien, wie etwa der Kölner Stadt-Anzeiger, weiter Überschriften wie „Rififi-Einbruch ging daneben“. Am Ende passiert nichts. Die angebliche Verbrechenswelle ebbt ab und die FSK darf weiter wie bisher agieren. Doch wie konnte ein Film so eine große Panik auslösen?

In dieser Podcast-Folge geht es nicht nur um Rififi, sondern auch darum, wie sich in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts die Filmzensur durchsetzte. Denn die staatliche Kontrolle von Filmen begann schon im Kaiserreich und war verbunden mit einer tief verwurzelten Skepsis gegenüber dem neuen Medium. Schon damals mussten sich Filme den Vorwurf gefallen lassen, für reale Straftaten verantwortlich zu sein. Wir sprechen über diese moralische Panik und ihre Auswirkungen auf die frühe BRD sowie unseren heutigen Sprachgebrauch.

Shownotes

Jürgen Kniep: Keine Jugendfreigabe! Filmzensur in Westdeutschland 1949 – 1990

NZZ Online (via Web Archive): Wann soll die Filmzensur stattfinden?

Dokument Archiv: Das Lichtspielgesetz von 1920

Klaus Peterson: Zensur in der Weimarer Republik

Kai Nowak: Projektionen der Moral – Filmskandale in der Weimarer Republik

Ursula Saekel: Der US-Film in der Weimarer Republik – ein Medium der “Amerikanisierung”?

2 Comments

  • Hallo

    ich höre Euch wirklich gerne und Eure Rififi Folge war super, aber ich musste mich sehr schwer konzentrieren um dem Inhalt zufolgen, da ihr konsequent Rififi falsch ausgesprochen habt. Nach dem R ist ein i und kein e und dieses i ist sogar betont. In diesem Fall hat es meinen Hörgenuss doch sehr stark beeinflusst, alleine deshalb weil ihr den Titel extrem häufig nutzt.
    Ansonsten alles tipptopp! Macht bitte weiter so!
    Liebe Grüße
    Silke

    • Hey Silke,

      vielen Dank für das Lob und die Anmerkung. Trotz vieler Jahre Französisch in der Schule ist wohl nicht viel hängen geblieben. Entschuldige den Fauxpas! 😉 Aber freut mich wirklich sehr, dass dir die Folge ansonsten gut gefallen hat.

      Martin

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