Machen uns Filme zu Verschwörungstheoretiker*innen?

In dieser Episode vom Filmmagazin sprechen wir über Verschwörungs-Erzählungen
Illustration: Kirschkunst

Krude Behauptungen, Falschaussagen und dubiose Quellen haben Konjunktur. Die Krise, die die Verbreitung von COVID-19 verursacht hat, holt das Schlechteste aus einigen Menschen heraus und scheint sie besonders anfällig zu machen für Verschwörungs-Erzählungen. Wir haben in dieser Folge nicht vor, diesen Leuten mit einem „Best-of-Verschwörungsgebrabbel 2020“ eine Bühne zu bauen. Stattdessen werden wir uns mit Verschwörungs-Erzählungen in Filmen beschäftigen. Denn die sind alles andere als selten. Tragen solche Filme damit eine Mitschuld daran, dass viele Menschen sich zu solchen „Theorien“ hingezogen fühlen?

Diese Erzählungen gibt es häufiger, als man denkt

Es geht uns nicht nur um Filme, die sich explizit mit Verschwörungstheorien auseinandersetzen (wie zum Beispiel Devil‘s Pass oder Das Philadelphia Experiment). Viel interessanter ist aus unserer Sicht: Verschwörungs-Erzählungen spielen als Plot-Device eine Rolle in sehr vielen „alltäglichen“ Filmen. Sei es, ganz offensichtlich, in Staatsfeind Nr. 1 oder, eher im Hintergrund, sogar in den Filmen aus dem Marvel Cinematic Universe (Shield entnazifizieren, jetzt!)

Aber woran liegt das? Ist eine Verschwörung als Hindernis für Held*innen eines Filmes vielleicht besonders einfach zu konstruieren und damit schlicht ein Beweis für faules Drehbuchschreiben? Oder liegt es an uns Zuschauenden? Lieben wir vielleicht einfach Außernseiter*innen, die ganz am Ende mit ihren Vermutungen doch recht haben und alle Widrigkeiten überwinden?

Welchen Einfluss das auf uns hat, wollen wir in dieser Episode besprechen. Dabei taucht auch ein besonders naheliegender Beispiel auf: Matrix ist wohl die Urmutter aller Filme in den 2000ern, die sich mit Verschwörungen auseinandersetzen. Leider wird der Film mittlerweile immer häufiger (auch von der sogenannten Neuen Rechten) instrumentalisiert, um eine Brücke in die „Realität“ mit vermeintlich wahren Verschwörungen zu bauen. Als „Blue Pills“ werden dabei diejenigen bezeichnet, die diese Verschwörungen noch nicht erkannt haben. Ihnen gegenüber stehen die „Red Pills“, die schon aus ihrem Schlaf erwacht sind und die vermeintliche Wahrheit (mit anderen Worten: die kruden Ideologien) als ihre eigene anerkannt haben.

Tweet von Lilly Wachoswky
Tweet von Lilly Wachoswky (abgerufen am 30.5.2020)

Eine Anspielung auf die Wahl, vor die Neo von Morpheus zu Beginn von Matrix gestellt wird. Nimmt er die Blaue Pille ein, bleibt alles wie es war. Nimmt er jedoch die rote (was er tut), erfährt er die Wahrheit über die Matrix. Eine der Regisseurinnen des Films findet eine solche Inanspruchnahme ihres Werks jedenfalls weniger lustig.

Nicht neu, aber anders: Verschwörungstheorien im Podcast

Ein bisschen wie ein Déjà-vu (nicht der Film) fühlt sich diese Episode ja schon an. Erst vor knapp einem Jahr haben wir diesem Thema schon einmal eine komplette Episode gewidmet. Allerdings mit andere Fragestellung und vor allem mit anderer Darstellungsform. Damals haben wir uns dafür entschieden, ein Hörspiel zum Thema zu produzieren. Dieses könnt ihr hier anhören:

 

Linkliste – Shownotes

Links zum Start

Wikipedia zu Verschwörungstheorien

Prof. Michael Butter

Buch von Michael Butter über Verschwörungstheorien

Christian Schiffer

Buch von Christian Schiffer über Verschwörungstheorien

Videospielmagazin von Christian Schiffer

Podcast von Christian Schiffer

Katharina Thalmann

Katharina Thalmann an der Universität Tübingen

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