TOP 10 Filme und Serien 2019

Unserer Film- und Serienfavoriten aus dem Jahr 2019

In diesem Jahr pendelten wir wieder zwischen Sofa und Kinosessel hin und her. Damit Ihr auch etwas davon habt, haben wir für Euch eine Top-10-Liste der besten Filme und Serien zusammengestellt. Jeder von uns hat seine persönlichen Favoriten gekrönt und eine kurze Meinung dazu aufgeschrieben. Wichtig: Dabei geht es nicht um Produktionen, die 2019 erschienen sind, sondern um Filme und Serien, die wir zum ersten Mal gesehen haben.

Systemsprenger – 2019 (Martin)

Echtes Herzklopfen wegen Spannung hatte ich 2019 nur einmal im Kino. Jedoch nicht in einem Thriller und auch nicht bei einem sündhaft-teuren Action-Feuerwerk. Sondern bei einer Szene in Systemsprenger, die sich schon länger angekündigt hatte. Sie war schmerzhaft mitanzusehen und auf eine bestimmte Art und Weise war sie auch unausweichlich. Trotz eines präsenten Sozialstaates hängt die Neunjährige Benni zwischen Mutter, Jugendamt und Pflegefamilien fest. Das ist unglaublich frustrierend. Die große Stärke von Systemsprenger ist es jedoch, darauf keine schmalzige Antwort zu finden, sondern dieses Chaos auszuhalten. Das funktioniert deshalb so gut, weil Regisseurin Nora Fingscheidt fast dokumentarisch die Kamera auf alles draufhält, was Benni erlebt. Das ist häufig sehr laut und verletzend, bisweilen traurig schön – aufgesetzt ist es aber nie.

Gundermann – 2018 (Lucas)

Als jemand, der sich für DDR-Geschichte interessiert, habe ich diesen Film eigentlich viel zu spät gesehen. Zumal er schon in unserem Podcast über Filme über die DDR besprochen und gelobt wurde. Das Lob gab es zurecht. Ich habe selten (eigentlich noch nie) einen so differenzierten Film über die Zeit, in der unsere Eltern und Großeltern aufgewachsen sind, gesehen. Mit allen Schwierigkeiten und moralischen Fragen, die dazugehörten. Quasi on Top gibt es noch grandiose Neuaufnahmen von Gundermanns Musik (sogar besser als das Original?) und eine unaufgeregt erzählte, facettenreiche Liebesgeschichte, die vor allem durch grandiose schauspielerische Leistungen funktioniert. Der ultimative Beweis, dass man sich ernsthaft kritisch mit der DDR-Vergangenheit auseinandersetzen kann und dass auch Richter gute Regisseure sein können.

Capernaum – Stadt der Hoffnung – 2018 (Ilja)

Dieses Sozialdrama bietet Einblick in das Leben des 12-Jährigen Zain und erklärt, warum er der Ankläger seiner Eltern ist. Die Antwort ist so einfach wie auch schrecklich zugleich: Weil sie ihn zur Welt gebracht haben. Capernaum – Stadt der Hoffnung lebt vor allem von seinen Laienschauerspieler*innen. Sie haben es geschafft, die notwendige Authentizität aufzubauen, um mich in die chaotische Welt zu entführen. Zain steht natürlich im Mittelpunkt und verkörpert eigentlich seine eigene Lebensgeschichte – eine der größten Stärken dieses Films. Als frisch gebackener Vater hat mich vor allem die Grausamkeit der nicht vorhandenen Kinderwelt von Zain berührt und gleichzeitig bedrückt. Zwischen vollen Windeln und leerem Babybauch hat mich Capernaum noch einige Zeit beschäftigt.

The Irishman – 2019 (Martin)

The Irishman destilliert nicht nur eine Geschichte über mehrere Jahrzehnte in eine dreieinhalbstündige Gangsterballade, sondern auch den Werdegang seines Regisseurs Martin Scorsese gleich mit. Allerdings zeichnet sein Spätwerk eine andere Mafiawelt, als die von Good Fellas, Casino oder Hexenkessel. Vorbei sind die pompösen Machtdemonstrationen aus Gewalt und Geld. In The Irishman wird ruhig und beiläufig, manchmal fast langweilig, getötet. Das Gangstersein hat jeglichen Glanz verloren (oder zumindest die männliche Vorstellung davon, wie es zu sein hat). Denn der Film ist irgendwie auch ein Abgesang auf eine Zeit, als jeder so cool, unberechenbar und charismatisch sein wollte, wie Al Pacino, Joe Pesci und Robert De Niro. “Nein, wollt ihr nicht wirklich”, sagt uns der Film. Wie auf den letzten Seiten eines ausufernden Romans, gelingt es The Irishman, das Vergangene Revue passieren zu lassen und einer Geschichte ein Ende zu geben, die eigentlich nie ein Ende finden kann. Ein großes wie intimes Epos.

Die Eiskönigin II – 2019 (Lucas)

Mein Kinohighlight in diesem Jahr hat sich bis kurz vor Weihnachten Zeit gelassen. Die Eiskönigin II erzählt eine liebenswerte Geschichte, spannende Charakterentwicklungen, hintergründigen Erwachsenenhumor und schafft es dennoch, bei kleinen Kindern gut anzukommen (abgesehen von uns waren im Kino alle Erwachsenen Eltern von dazugehörigen Anna-und-Elsa-Fans). Die Macher*innen scheinen außerdem auf die Kritik am Vorgänger wegen mangelnder Diversität bei den Figuren reagiert zu haben. Auch im 3D-Design und bei der Animation beeindruckt der Film. Von stimmigen Partikelsimualtionen bis hin zu aufwendigen Kleidungstexturen kommt man wirklich auf seine Kosten (und erst das Wasser!). Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, sich für eine Fortsetzung mal fünf Jahre Zeit zu nehmen.


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Die 12 Geschworenen – 1957 (Martin)

Bei den Abermillionen neuen Filmen und Serien, die meine Watch-Listen täglich voller werden lassen, versuche ich ab und an alte Klassiker dazwischen zu quetschen. Gelegentlich schaue ich dabei gelangweilt in Richtung Smartphone und denke mir: Gut, habe ich den jetzt auch gesehen. Nicht so bei Die 12 Geschworenen. Das Kammerspiel über eine Jury, die am heißesten Tag des Jahres über das Schicksal eines Menschenlebens entscheiden soll, hat über 60 Jahre nach seiner ursprünglichen Veröffentlichung nur wenig seiner Brisanz eingebüßt. Es sieht so einfach aus, wie hier 12 Charaktere innerhalb kürzester Zeit vorgestellt, Konflikte aufgebaut und aufgelöst werden – ganz ohne Überlänge, Flashbacks und Subplots. Gleichzeitig habe ich einen zutiefst humanistischen Film erlebt, der sich völlig pathosbefreit präsentiert und seine Botschaft so elegant wie eindringlich an uns richtet.

Chernobyl – 2019 (Lucas)

Diese Serie hat nicht nur dafür gesorgt, dass ich mir einen Sky-Probemonat geklickt habe, sondern auch dafür, dass wir uns zwei Wochen lang im Büro über nichts anderes mehr unterhalten konnten als den Reaktorunfall von Tschernobyl und Atomkraft. In kürzester Zeit hatte jede*r von uns die HBO-Miniserie gesehen. Dazu kamen unzählige Kernkraft-Dokus im Nachhinein. Soviel zum Thema, das offenbar zur richtigen Zeit kam. Aber auch die Art, wie diese Geschichte erzählt wird, ist großartig und mitreißend. Das Tempo, das Setdesign, die Besetzung, die Musik – alles passt perfekt zusammen. Die Aufteilung auf fünf Episoden, die alle eine unterschiedliche Perspektive erzählen, ist ein spannender Kunstgriff. Besonderes Schmankerl: Der Podcast, der parallel zur Serie veröffentlicht wurde, bietet Hintergrundinformationen und stellt dar, an welchen Stellen die Macher*innen historische Fakten angepasst und verändert haben, damit die Erzählung besser funktioniert. Gern würde ich bei historischen Stoffen häufiger solch eine Transparenz sehen (Ihr seid gemeint, deutsche Produktionen).

When They See Us – 2019 (Ilja)

“Die besten Geschichten schreibt das Leben”, sagt man. Die unglaublichsten ebenfalls. In den 90er Jahren werden fünf unschuldige Jugendliche in den USA verhaftet, zu falschen Aussagen gezwungen, vor Gericht gestellt und verurteilt. Tolle Besetzung? Check! Tolle Inszenierung? Check! Die Netflix-Produktion ist mir aber vor allem durch den Faktor “Das kann doch Alles nicht wahr sein” im Gedächtnis geblieben. Während der Abspann der ersten Folgen läuft, denkt man sich, dass in der nächsten Episode nun alles wieder gut oder zumindest besser werden müsste. Man kriegt jedoch einen kräftigen Tritt gegen die Wohlfühlblase. Unbedingt auch den Talk mit Oprah und den realen Personen anschauen!

Parasyte – the maxim – 2015 (Lucas)

Zugegeben, diese Serie hier mit aufzunehmen, ist ein bisschen gemogelt. Eigentlich habe ich den Anime schon 2017 gesehen. Doch ich musste ihn einfach noch einmal schauen und überprüfen, ob mein Eindruck von damals noch stimmt. Und er stimmt noch. Es ist tatsächlich der beste Anime, den ich bisher gesehen haben. Parasyte hat ganz viel von dem, was ich mir bei Netflix-Anime-Eigenproduktionen häufiger wünschen würde. Tiefgang zum Beispiel. Einen Hauptcharakter, der nicht nur eine eindimensionale Projektionsfläche für pubertierende Jungs ist (ist er trotzdem auch), sondern der sich tatsächlich weiterentwickelt. Dazu kommt eine vielschichtige Liebesgeschichte. Und vor allem: Gesellschaftliche und philosophische Fragestellungen.
 

Joker – 2019 (Martin)

Es wurde in den letzten Monaten schon viel über den Joker geschrieben und gesprochen. Auch wir widmeten uns der neusten Inkarnation des legendären Clownprinzens in einer Filmmagazin-Folge und doch ist noch nicht alles gesagt worden. Ob sich Joker nun in Gewalteskapaden suhlt oder sie clever einsetzt, um der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten – für beide Sichtweisen gibt es Argumente. Regisseur Todd Philipps selbst sieht im Protagonisten Arthur wohl vor allem sich selbst: Einen von der Gesellschaft verstoßenen Witze-Erzähler. In einem Interview plärrte er die rechte Mär über eine angeblich in Gefahr befindliche Meinungsfreiheit nach. Sein Film ist zum Glück schlauer als das und bietet ein dicht gespieltes und gefilmtes Charakterdrama mit einer großen Schauspielleistung. Ich glaube, man kommt gar nicht darum herum, länger über Joker nachzudenken und zu versuchen, ihn einzuordnen. Er eckt an, fordert heraus, muss kontextualisiert werden. Im Kino passiert sowas nur wenige Male im Jahr.

Hier findet Ihr unsere FLOP 10 aus dem Jahr 2019.

Geschrieben von
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