Der Mann, der zu den Sternen flog

© 2017 CBS Interactive. All Rights Reserved.

Er war Pionier, Freidenker und zeitlebens ein wandelnder Widerspruch. Gene Roddenberry gab als Produzent und Autor die Initialzündung für die Enterprise, erfand Figuren wie Kirk, Spock und viele andere wichtige Eckpunkte des Star-Trek-Universums. Von einigen Fans wird er heute noch als „Great Bird of the Galaxy“ verehrt. Doch das ist nur eine Seite des Mannes, der Star Trek erfand. Wer war Gene Roddenberry?

Dieser Beitrag ist in freundlicher Zusammenarbeit mit audible entstanden.

Seine Vision einer vereinten Gemeinschaft aus Menschheit und Außerirdischen schaffte es in den turbulenten 1960er-Jahren ins Fernsehen und später sogar auf die Kinoleinwände. Mittlerweile gibt es dreizehn Kinofilmen, die ihre Zuschauer*innen auf eine Reise ins Universum einladen, bei der Diplomatie und Völkerverständigung meist wichtiger sind als ein volles Torpedodepot. Dabei würde man hinter Roddenberrys eigener Biographie gar keinen Science-Fiction-Autoren vermuten.

Erst Polizist, dann Fernsehautor

Sein Elternhaus könnte man als typisch amerikanisch beschreiben. 1921 kam er im texanischen El Paso, nahe der mexikanischen Grenze, zur Welt. Sein Vater war Soldat im US-Militär, seine Mutter eine treu sorgende Hausfrau, erzählt Star-Trek-Experte Björn Sülter. In seinem Buch Es lebe Star Trek – Ein Phänomen, zwei Leben schreibt er auch über die Geschichte Roddenberrys. „Er ist zu einem sehr interessanten jungen Mann geworden, der mit beiden Beinen auf den Boden stand, aber eben auch ein Träumer war. Er hat schon als kleiner Junge diese Science-Fiction-Sachen gelesen hat.“

Im 2.Weltkrieg erhielt er als Kampfpilot Tapferkeitsmedaillen, arbeitete später als Polizist und brachte währenddessen seine Karriere als Drehbuchautor voran. „Er hat immer genau gewusst, dass er einen Weg zwischen Business und dem Ausleben seiner Kreativität finden muss. Und das hat er in Star Trek“, sagt Sülter.

Nach ersten Erfolgen im Westerngenre überzeugte er den Fernsehsender NBC Mitte der 60er-Jahre von seiner Idee einer humanistischen, technik-freundlichen Zukunft. Die Crew der Enterprise war für damalige Verhältnisse erstaunlich international und liberal aufgestellt. Mit Spock war ein Alien erster Offizier, die Afro-Amerikanerin Nyota Penda Uhura war Kommunikationsoffizierin und ab der zweiten Staffel navigierte der aus Russland stammende Chekov die Enterprise – und das in den 60ern. Captain Kirk war dagegen ein typischer weißer Held, der sich mit Freude in jede Gefahrensituation warf, fast schon altbacken. Dennoch war Star Trek mit dieser Besetzung eine Rarität. Filmhistoriker sind sich aber uneins, wer für diese Diversität verantwortlich war.

Star Trek polarisiert

Der US-Amerikanische Autor Mark Clark beispielsweise, ist davon überzeugt, dass die NBC selbst eine bunte Crew haben wollte, weil sie damit zuvor gute Erfahrungen gemacht hatte und sich als „Network of Color“ vermarktete – Star Trek passte in diese Marktlogik perfekt hinein. Björn Sülter jedoch hat Zweifel an dieser Version der Geschichte. Er sieht Roddenberry und seine Berater als wichtige Impulsgeber. „Der Sender hat sich damals gegen eine Frau als ersten Offizier ausgesprochen, deswegen musste damals die Figur Number One gestrichen werden (Anm. d. Red: ihr Comeback feierte Sie erst über 50 Jahre später in der zweiten Staffel von Star Trek Discovery). Auch Spock wollten sie nicht haben. Er war ihnen zu satanisch und sie hatten Angst, dass es irgendwelche Probleme mit den Zuschauern gibt.“

Solche Kontroversen sieht ein Fernsehsender üblicherweise nicht sehr gern. Roddenberry aber könnte vielleicht genau das gewollt haben, denn Aufregung bringt Quote. „Er hat es immer darauf angelegt zu polarisieren. Man kann auf der einen Seite sagen, er war ein großer Visionär, der Horizonte eröffnen und den Leuten etwas beibringen wollte. Auf der anderen Seite war er, und das meine ich überhaupt nicht böse, einfach nur ziemlich clever“, meint Sülter.

Am Ende war es womöglich eine Kombination verschiedener Faktoren, warum Figuren wie Lieutenant Uhura für viele Zuschauer zum Symbol wurden. Zu einer Zeit, in der gerade die Bürgerrechtsbewegung in den USA für mehr Gleichheit und Pluralität kämpfte, machte auch das Fernsehen kleine Fortschritte.         

Bei aller Lobhudelei für Gene Roddenberry darf man aber eine andere Seite von ihm nicht vergessen. Es existieren mehrere Berichte und Interviews mit früheren Kollegen, die nahelegen, dass der Sci-Fi-Visionär zwischenmenschlich nicht gerade einfach gewesen sein soll. Gerade zu Zeiten von The Next Generation in den 80er-Jahren schien er einige Autoren mit seiner ignoranten Art zu verprellen. Er trank viel, nahm Kokain und soll sich verächtlich über Frauen geäußert haben. Seine erste Ehe scheiterte nach mehreren Affären. Trotz dieser Umstände war sein Star Trek aber nie zynisch oder verlor seinen Optimismus. Anderen Seiner Projekte war diese Beständigkeit nicht gegönnt. Star Trek sollte Roddenberrys einziger Erfolg bleiben. Von seinem Lebenswerk musste er sich schließlich aber auch verabschieden.

Nach der dritten Staffel von The Next Generation überließ er anderen den Vortritt und agierte nur noch im Hintergrund. Am 24. Oktober 1991 starb Eugene Wesley Roddenbery nach einem Kreislaufstillstand. Zuvor erlitt er mehrere Schlaganfälle. Sechs Jahre später schoss eine Rakete einen Teil seiner Asche in die Erdumlaufbahn, wo sie 2004 beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglühte.


Noch nicht genug von Star Trek? Im Podcast erfahrt ihr noch mehr Hintergründe und interessante Geschichten!

Die Enterprise fliegt weiter

Damit endete das Kapitel Star Trek aber noch lange nicht. Neben der Kinoreihe mit Chris Pine als Captain Kirk und Zoe Saldana als Lieutenant Uhura, wächst auch das Serienuniversum stetig weiter. Star Trek Discovery spielt zeitlich vor der ersten Staffel der Originalserie, noch bevor Kirk das Kommando der Enterprise übernahm. Die dritte Staffel startet In Deutschland 2020 auf Netflix.

Weitere Spin-Offs aus der Discovery-Reihe sind bereits in Produktion. Im nächsten Jahr können sich Fans auch auf die Rückkehr einer Legende freuen: Sir Patrick Stewart mimt in Star Trek Picard erneut den stoisch-gerissenen Sternenflotten-Admiral, der allerdings hat 15 Jahre nach dem Ende von Star Trek: Nemesis die Föderation bereits verlassen und widmet sich seinem Weingut. Die Trailer lassen vermuten, dass das nicht lange so sein wird.

Nach so vielen Jahren Star Trek ist es selbst für Fans manchmal schwer noch durchzublicken. Bei den ganzen Zeitreisen, Klonen und alternativen Universen ist das auch kein Wunder. Wer sein Trekkie-Wissen auffrischen möchte, findet beim audible-magazin eine übersichtliche Zeitlinie mitsamt einer Auflistung aller wichtigen Star-Trek-Geschichten aus Film, TV und Hörbuch.

Geschrieben von
Mehr von Martin Dietrich

Action ohne Struktur – Wieso Pacific Rim: Uprising enttäuscht

Gute Action bemisst sich nicht daran, wie gut die Effekte sind oder...
Anhören

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*