Werk ohne Autor

Professor Antonius van Verten (Oliver Masucci) während einer Vorlesung | ©2018 BUENA VISTA INTERNATIONAL / Pergamon Film / Wiedemann & Berg Film
Professor Antonius van Verten (Oliver Masucci) während einer Vorlesung | ©2018 BUENA VISTA INTERNATIONAL / Pergamon Film / Wiedemann & Berg Film

Höher, schneller, weiter. Werk ohne Autor ist der neuste Spielfilm von Florian Henckel von Donnersmarck, der sich mit Regime, Kunst und Erinnerung beschäftigt. Nach Das Leben der Anderen (2006) soll nun das Werk ohne Autor den Erfolg vor zwölf Jahren wiederholen, dabei geizt der Film in allen Facetten nicht: Gleich drei politische Systeme sollen in Szene gesetzt und die Bedeutung der Kunst für die Seele herausgearbeitet werden. Das alles innerhalb von stolzen 188 Minuten Lauflänge. Der neue von Donnersmarck hat den Anspruch, ein Epos zu sein, was er jedoch nicht wirklich schaffen kann. Werk ohne Autor startete ganz passend am 3. Oktober in unseren Kinos.

Werk ohne Autor begleitet Kurt Barnert (Tom Schilling) von den 1930er Jahren in Dresden bis in der 1960er Jahre nach Düsseldorf. Kurt erlebt in diesen drei Jahrzehnten das Nazi- und DDR-Regime und flieht schlussendlich in die Bundesrepublik Deutschland, in der er sich und seine Erinnerungen an die Kindheit als Künstler verwirklichen kann. Auf diesem Weg begleitet ihn seine große Liebe Ellie (Paula Beer) mit deren Vater (Sebastian Koch) er bereits in der Vergangenheit Bekanntschaft gemacht hat. Das Drehbuch ist von wahren Begebenheiten inspiriert und orientiert sich an der Lebensgeschichte des deutschen Künstlers Gerhard Richter, was spätestens an Kurts Maltechnik und -stil deutlich wird.

Werk ohne Autor ist – wie die in dem Film dargestellte Kunst – polarisierend. So finden sich durchaus positive, als auch negative Meinungen zu der  audiovisuellen Betrachtung der neueren deutschen Geschichte. Werk ohne Autor beinhaltet nicht die eine klare Botschaft, wie Das Leben der Anderen. Dazu ist auch der Kleber dieses Films, die Kunst, weit weniger dazu geeignet, den Zuschauer abzuholen und emotional zu binden. Dadurch hat man in den über drei Stunden immer wieder das Gefühl, ziellos im Wasser zu treiben und auf einen Rettungsring zu warten. Werk ohne Autor setzt alles auf eine Karte – die Kunst. Natürlich existieren auch anderen Motive, wie die Regime, Liebe und Veränderung, aber sie bleiben in der Regel schmückendes Beiwerk. Man gibt sich viel Mühe, sowohl das Dritte Reich als auch die DDR zu inszenieren, aber alles wirkt nur oberflächlich und kurz angerissen, ohne einen Moment, an dem man bewusst kurz innehalten kann. So erscheinen auch alle Frauenrollen, obwohl zahlreich vertreten, als nette Randerscheinungen, die dazu dienen, mal einen weiblichen Körper vor die Kameralinse zu halten. Hierzu gehören kitschige Szenen in denen Kurt und Ellie eng umschlungen über das Bett rollen und ihr junges Glück genießen. Spätestens beim dritten Mal hat man das begriffen.

Florian Henckel von Donnersmarck nimmt die Formel von Das Leben der Anderen, erweitert und verändert sie. Kreiert damit teils Neues und Sehenswertes, aber auch Anderes, das das Konzept sprengt oder im 21. Jahrhundert nichts mehr auf der Leinwand verloren hat. Werk ohne Autor ist groß und will (zu) viel zeigen, eine Orientierung am Minimalismus hätte hier sicherlich gut getan.

Guckstempel Mittel

In Werk ohne Autor findet auch die DDR ihren Platz. Die Kunst war ein Mittel des politischen Systems, um dessen Ideologie durchsetzen zu können. Aber wie wird die DDR in anderen Filmen dargestellt? Diesem Thema haben wir uns 43. Ausgabe unseres Podcast gewidmet. Dabei haben wir mit der DEFA-Stiftung, Martins Opa und der Stiftung Berliner Mauer gesprochen. Hört rein.

Episode 43 – Filme über die DDR


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