Stronger

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Jeff Bauman (Jake Gyllenhaal) mit neuen Perspektiven | Lionsgate Publicity


Am 15. April jährt sich genau zum fünften Mal der Anschlag in Boston auf einen Marathon, bei dem drei Menschen starben und 263 weitere verletzte wurden. Vor einigen Jahren erzählte bereits Boston mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle, in Form eines Thrillers, die Umstände dieses Vorfalls. Boston rückt den Anschlag in den Mittelpunkt und versucht möglichst spannend, die Ereignisse auf perfide Art und Weise zu erzählen. Stronger hingegen wirft einen Blick auf eine intime Geschichte hinter dem Anschlag, kann aber auch hier nicht auf den Patriotismus verzichten. Stronger startet am 19. April in Deutschland.

Jeff Bauman (Jake Gyllenhaal) brät am Tag fleißig seine Hühnchen bei Tesco und nach der Arbeit trifft er sich mit seinen Freunden auf ein Bier. In der Kneipe trifft er auch seine Ex-Freundin Erin (Tatiana Maslany) wieder und möchte sie zurück gewinnen. Sie ist Läuferin und wird am Marathon teilnehmen. Jeff möchte sie dabei an der Ziellinie empfangen. Ein ganz normales Leben. Dieses Leben ändert sich jedoch plötzlich mit dem Anschlag. Beide Beine müssen bis zum Knie amputiert werden. Der Alltag ist nicht mehr Alltag, denn das, was man für gegeben hält, ist nicht mehr vorhanden. Dazu noch die ganze Aufmerksamkeit der Medien und Mitmenschen, aus der auch noch die eigene Mutter versucht, so viel wie möglich abzuschöpfen.

David Gordon Green schafft es, eine schöne und intime Geschichte zu erzählen, bei der der Anschlag eigentlich nur Nebensache ist. Dafür verantwortlich ist zum einen das Duo Gyllenhaal und Maslany, die ein glaubwürdiges Pärchen auf die Leinwand zaubern, welche vor einem neuen Leben stehen, dass es gemeinsam zu meistern gilt. Die Chemie stimmt einfach zwischen den Turteltäubchen. Zum anderen wartet Green mit einer intimen Inszenierung des Alltags des Protagonisten auf. Mal erleben wir Jeff, wie er zum ersten Mal seine Verbände an den beiden Stümpfen abgenommen werden. Die Kamera bleibt auf sein Gesicht, so dass man jede Zuckung und jeden Schmerz direkt miterlebt. Ein anderes Mal bleiben wir ganz nah an Jeff in der Dusche und sehen die Härte des neuen Alltags. Leider kommt Green nicht drum, den Patriotismus außen vor zu lassen, so dass die letzte viertel Stunde eigentlich nur ein Bonus für den amerikanischen Zuschauer ist, sich in Selbstbestätigung zu suhlen.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=-ePAc9xcQqU

Sollte man Stronger oder Boston gesehen haben? Dann sollte es eher Stronger sein. Der Film bietet eine herzerwärmende Geschichte, eingebettet in ein grauenhaftes Ereignis. Jake Gyllenhaal schafft es, die neue Brutalität des Alltags und den inneren Konflikt gut abgestimmt dem Zuschauer zu vermitteln. Ohne den aufgesetzten Patriotismus wäre es jedoch eine bessere Filmbiografie geworden, als das, was man zu sehen kriegt.

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