I, Tonya

Jeff (Sebastian Stan) und Tonya (Margot Robbie) © DCM


Nur wenige Wochen sind die Olympischen Spiele in Pyeongchang in Südkorea her und Eiskunstlauf erfreut sich einer großen Beliebtheit, ob nun aus Spaß oder tatsächlicher Faszination. Die Zuschauer fiebern mit, begutachten die Kostüme oder sind gerührt von den Freudentränen, wenn der Lutz, der Axel oder der Rittberger gelungen sind. Dieser feine Sport hat aber auch seine dunklen Seiten. Einen Einblick in diese gewährt uns I, Tonya, eine Geschichte um die ehemalige amerikanische Eiskunstläuferin Tonya Harding.

Gemeinsam mit Tonya (Margot Robbie), ihrem Ex-Mann Jeff (Sebastian Stan) und der durch Kettenrauch konservierten Mutter LaVona (Allison Janney) blicken wir zurück auf eine Karriere mit einigen Abzügen in der B-Note. Tonya ist typisch “white trash”, derb in der Sprache und immer frei raus. Also eigentlich genau das Gegenteil zu dem noblen Sport, den sie ausübt. Aber Tonya steht bereits mit 12 Jahren ihren ersten dreifachen Lutz. Ihre Mutter ist anfangs ihre Managerin. Sie näht die Kostüme und kümmert sich eher lieblos und kalt um ihre Tochter. Diese eigenartige Beziehung ist scheinbar vererbbar, denn Tonya gerät recht früh an Jeff, mit dem sie eine Hassliebe lebt. Er verprügelt sie regelmäßig oder schießt auch mal auf sie, aber eigentlich will er nur das Beste für sie. Er geht sogar soweit, dass er im Vorfeld der Olympischen Winterspiele 1994 versucht, mit einer Eisenstange die Konkurrentin Nancy Kerrigan auszuschalten. Das misslingt, Tonya wird in ein schwarzes Loch der Kontroversen hineingezogen, deren Ergebnis ein lebenslanger Ausschluss von Meisterschaften war. Zurück bleibt eine kurze Karriere mit einer fulminanten Choreografie und einem verpatzen Abschluss. All das zeigt I, Tonya eindrücklich und richtet auch mal den Finger auf die Medien.

I, Tonya erzählt im Stile einer Mockumentary diese Geschichte und das macht eine unheimliche Faszination für den Film aus. Gleiche Begebenheiten werden von Tonya, Jeff und der Mutter aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Damit fängt Craig Gillespie (Regie) auch den damaligen Kontext ein, dass es ein scheinbar nicht die eine Wahrheit gibt. Aber auch die Charaktere sind ungewöhnlich. Ständig hat man das Gefühl, dass sie nicht echt sein können. So zum Beispiel, wenn LaVona in ihrem Sessel sitzt, auf der Schulter ein kleiner Kanarienvogel. Eine Szene, die glatt aus dem David-Lynch-Universum stammen könnte. Allison Janney wurde für diese Rolle als beste Nebendarstellerin mit dem Oscar ausgezeichnet. Mehr als verdient. Für Margot Robbie hat es leider nicht gereicht, obwohl hier die Konkurrenz mit Frances McDormad auch ziemlich stark war. Trotzdem liefert Robbie hier eine klasse Leistung ab, die gewürdigt werden sollte. Wenn man über das misslungene CGI auf dem Eis hinwegsieht, erhält man einen spannenden Einblick in einer kuriose Geschichte aus den 90er Jahren.

Schnürt euch schon mal die Schlittschuhe. Am 22. März kommt I, Tonya in die Eislaufhalle eures Vertrauens. Wir vergeben zwei Sterne mit unserem Guckstempel.

Guckstempel Mittel

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=AKHve0E6zDg
Geschrieben von
Mehr von Ilja Almendinger

Männer mit Gebiss, Kopfgeldjäger im Blutrausch und Papier-Samurai

2016 war nicht gerade ein Jahr auf das man wohlwollend zurückblicken wird,...
Anhören

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*