“Sense 8” – Serientipp

Berlin, London, San Francisco, Chicago, Mexico City, Mumbai und Nairobi. Nein, wir planen gerade nicht unseren Urlaub, sondern schauen gespannt die Serie Sense 8. Die einzelnen Episoden der Drama Serie spielen an Acht unterschiedlichen Orten und statt auf einfache Filmstudios zurückzugreifen, wurde alle Szenen an Original-Schauplätzen gedreht. Ein Aufwand, der sich hoffentlich gelohnt hat.

Acht Personen, Acht Schicksale und alle sind miteinander verbunden. Durch einen mysteriösen Vorfall teilen sich Acht Fremde Gefühle, Fähigkeiten und Wissen. Die neuen Kräfte haben sie auch bitter nötig, denn jeder der Zusammengewürfelten steht vor einer schwierigen Zeit und muss sich einigen persönlichen Herausforderungen stellen. Damit doch nicht genug, eine hinterlistige Firma hat es auf sie abgesehen und will ihre neu gewonnenen Sinne missbrauchen. Eine atemlose Hetzjagd quer über den Globus beginnt…

Sollte man meinen, doch statt der sehr interessanten Prämisse eine temporeiche Serie zugrunde zulegen, lassen es die Wachowskis und Tom Tykwer lange Zeit seeeeehr gemächlich vor sich hinlaufen. Jeder der acht Hauptfiguren wird erst in aller Breite vorgestellt. Aus der unmittelbaren Bedrohung durch die bösen, bösen Wissenschaftler wird eher eine vor sich her kriechenden Schnecke. Klar, die Hauptfiguren müssen erst etabliert werden, bevor die Serie überhaupt funktioniert. Doch Sense 8 fordert hier viel Durchhaltevermögen, für diejenigen die unbedingt wissen wollen, was es mit dem neuen Sinn zu tun hat. Zum Glück überzeugen dafür die Geschichten rund um die problemgeplagten Charaktere. Die Serie schafft eine tolle Abwechslung aus Berliner Gangsterstory, Familiendrama, Warlord-Thriller oder Selbstfindungstrip. Auch wenn das Regie-Trio manchmal zu sehr ins Plakativ-Fass greift und alles andere als subtil daherkommt. Das mindert die erzählerische Qualität der acht Mini-Storys aber nur minimal. Optisch kann man Sense 8 aber dafür nur wenig ankreiden. Jeder Handlungsort bekommt seine optischen Spielereien. Immer wieder entfalten sich atemberaubende Panoramen über den Bildschirm. An irische Felsenformationen mit leichter Nebelwand oder einer indischen Millionenmetropole kann man sich auch nur schwer satt sehen. Für Reisewillige leistet Sense 8 also auch einen tollen Empfehlungskatalog.

Im letzten Drittel erhöht die Serie auch langsam das Tempo – auch wenn die Überholspur noch weit entfernt ist. Alles bleibt recht überschaubar und ein überraschungsarmes Finale gibt sich sehr knauserig mit Antworten auf die wichtigsten Fragen. Lust auf mehr macht die erste Staffel aber trotzdem. Die tolle Grundidee gepaart mit den gut geschriebenen Charakteren und der optischen Finesse, machen die meisten erzählerischen Schwächen wieder wett. Eine gute Serie, die sich hoffentlich noch steigert und sich auf das besinnt, was sie wirklich kann: spannende und abwechslungsreiche Geschichten.  Mit der kürzlich veröffentlichten zweiten Staffel lässt sich das dann auch überprüfen.

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Bilder: © Netflix 2015

Über den/die Autor/in

Martin Dietrich
Martin Dietrich

Martin Dietrich war beim Filmmagazin erst nur ein kleines Licht. Durch eine sehr intelligente und unblutige List konnte er sich den zweiten Moderationsplatz ergattern. Jetzt geht er auch nicht mehr weg und lässt jeden wissen, dass Tom Hardy und Emma Stone als Götter vom Himmel herab kamen und uns den Film schenkten.

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