Masken, Masken überall – “Die Dasslers” im Ersten

Die beiden Sportartikelherstellerbrüder Adolf und Rudolf Dassler aus dem bayerischen Herzogenaurach bekommen über das Osterwochenende erneut einen, oder besser gesagt: Zwei Filme. Diesmal zeigt das Erste ihre Geschichte. Von der gemeinsamen Schuhfabrik, hin zu den beiden rivalisierenden Großkonzernen Adidas und Puma. In einem Kurzüberblick schreibt unser Filmmagazin-Autor Lucas Görlach über seine Gedanken, die er beim Schauen hatte.

Das Interessante

Zuerst einmal: Ich finde diese Geschichte ziemlich interessant. Zwei Brüder, die in den 1920er Jahren gemeinsam aus dem kleinen Familienbetrieb des Vaters herauswachsen, um mehr zu erreichen. Sie wollen Sportschuhe herstellen. Der eine, Adi (Christian Friedel), wird zu Beginn als der kluge, zurückhaltende Techniker dargestellt. Sein Bruder Rudi (Hanno Koffler) dagegen, als der aufbrausende Frauenheld, der aber durchaus Sinn für Geschäfte hat und gern auch mal eine wichtige Entscheidung spontan trifft.

Wir beobachten also diese beiden Brüder, wie sie mit ihrem Geschäft reich werden und auf die Entwicklung reagieren, die die deutsche Geschichte damals nahm: Weltwirtschaftskrise, NS-Regime, Besatzungszeit und Wirtschaftswunder. Über 50 Jahre kommen so in knapp drei Stunden Film auf die Leinwand (oder besser auf den Fernseher).

Klingt, wie eine Geschichte, die nur so geschaffen ist für das “große Kino”, denn sie bietet vieles, was man für ein tolles Drama braucht: Emotionen, Streit, Missgunst, Glück, Unglück und die Charaktere dafür.

Das Skurrile an “Die Dasslers”

Habe ich schon erwähnt, dass in den beiden Filmen über 50 Jahre erzählt werden? Und dass diese 50 Jahre von den selben Schauspielern gespielt werden? Von den jungen Männern in ihren 20ern bis hin zu den alten Herren in den 70ern. Wie geht das? Natürlich nur mit Maske(n).

ARD Degeto/Wiedemann & Berg/Martin Spelda

Bitte nicht falsch verstehen! Die Maske ist sehr gut. In den meisten Fällen. Manchmal wirkt sie aber auch einfach nur skurril. Insbesondere Sepp Herberger (Aurel Manthei) – auf dem Bild links – hat im Alter einen wirklich extrem großen Kopf. Und noch eine Sache: Je mehr Maske, desto weniger Mimik bekommen die wirklich hochkarätigen SchauspielerInnen durch die Schminke. Irgendwann bewegen sich nur noch Augen und Münder. Diese Altersskurrilität wird noch abgerundet von den jungen Stimmen der SchauspielerInnen, die gerade aber 70-jährige darstellen sollen.

Die wichtigste Botschaft kommt zum Schluss

Und diese Überschrift ist durchaus wörtlich gemeint. Ganz am Ende des zweiten Films steht in einer Texteinblendung: “Adidas und Puma sind heute keine Familienunternehmen mehr.” Das stimmt. Und deswegen würde ich zum Abschluss gern eine Frage stellen, für deren Erörterung in diesem Kurzüberblick kein Platz mehr ist, über die aber sehr gern diskutiert werden kann: Inwiefern sehen wir bei “Die Dasslers” gute drei Stunden öffentlich-rechtliches Werbefernsehen? Ich jedenfalls, hätte mir etwas mehr kritisches Durchleuchten der Figuren und der Firmengeschichte(n) gewünscht.

Mein Fazit: Wer etwas seichtere Unterhaltung über das Osterwochenende sucht, der wird mit den beiden “Die Dasslers”-Filmen trotz allem auf seine Kosten kommen.

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“Die Dasslers – Pioniere, Brüder und Rivalen” läuft am Karfreitag um 20:15 um Ersten, der zweite Teil folgt am Karsamstag zur selben Zeit. Beide Filme können schon vorab in der Mediathek geschaut werden.

Eine weitere öffentlich-rechtliche Produktion, die sich mit der deutschen Geschichte beschäftigt, haben wir hier besprochen.

Titelbild: © ARD Degeto/Wiedemann & Berg/Martin Spelda

Über den/die Autor/in

Lucas Görlach
Lucas Görlach

Lucas Görlach produziert das Filmmagazin. Hauptsächlich drückt er also auf den Record-Knopf und schneidet am Tonbandgerät die Sendungen zusammen. Außerdem hat er einen Faible für Hörspiele und nur wenige Haare.

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