Und plötzlich war der Film zu Ende… – Die ZDF-Serie “Der gleiche Himmel”

Ein Agenten-Dreiteiler zwischen BRD und DDR. Im Jahr 1974 passiert so einiges zwischen Ost und West Berlin: “Romeo-Agenten” der Staatssicherheit, die versuchen, Frauen zu verführen, um ihnen Geheimnisse zu entlocken. Doping bei DDR-Kindersportlern und ein gescheiterter Fluchtversuch über die Grenze. Das fasst so ungefähr zusammen, was der ZDF-Dreiteiler “Der gleiche Himmel” in der letzten Woche versucht hat zu erzählen. Dies ist keine Kritik, sondern eine kurze Frage von Filmmagazin-Autor Lucas Görlach:

Warum “Der gleiche Himmel” sehenswert ist

Ich hatte “Der gleiche Himmel” überhaupt nicht auf dem Schirm. Nur durch Zufall schaltete ich Montagabend (tatsächlich linear) den Fernseher ein und stieß auf Teil 1 der Agenten-“Serie”. Und ich blieb hängen: Man sah sofort das hohe Produktionsvolumen und die Detailverliebtheit bei der Set-Gestaltung und den Kostümen (schon im Making-Of erkennbar). Und nach kurzer Zeit packte mich auch die Geschichte. Oder viel mehr die Geschichten, die relativ lose über Bezüge zwischen den einzelnen Figuren miteinander verbunden sind. Den roten Faden liefert die Geschichte um Lars Weber (Tom Schilling), den jungen Agenten der Staatssicherheit. Er wird nach Westberlin geschickt, um als so genannter “Romeo-Agent” weibliche Geheimdienstmitarbeiterinnen, die auf dem Teufelsberg arbeiten, zu verführen und so an Informationen zu kommen. Drumherum gibt es noch weitere Handlungsstränge und Figuren:

  • Eine Gruppe junger DDR-Bürger, die versucht, einen Tunnel unter der Mauer zu graben
  • den Vater von Lars Weber, der als IM arbeitet und dennoch Zweifel hegt
  • die junge Schwimmerin, die in den DDR Olympia-Kader aufgenommen werden soll und systematisch, ohne ihr Wissen gedopt wird
  • und schlussendlich noch die NSA, die quasi sich selbst ausspioniert.

Ich möchte hier nicht eine endlose Einzelauswertung der verschiedenen Handlungsstränge durchführen. Ich möchte auch nicht kritisieren, dass wieder (wie gefühlt bei jeder zweiten deutschen Produktion) möglichst viele gesellschaftskritische Themen nebeneinander angesprochen werden. Nein, denn all das wäre vollkommen okay für “Der gleiche Himmel” – hätte man sich mehr Zeit gelassen! Die Handlung braucht zwar etwas Zeit, eh sie in Fahrt kommt und man mit den Figuren und deren Problemen warm wird, dann aber macht sie richtig Spaß. Das liegt nicht zuletzt an der großartigen Besetzung!

Warum ich mich so über “Der gleiche Himmel” ärgere

Aus meiner Sicht wurde ein einziger, riesiger Fehler gemacht: Man nahm eine gute Geschichte und gab ihr nur drei Fernsehfilme, um sich zu entfalten. Das führt mich zu einem einzigen Fragewort: Warum?

Warum zur Hölle ein Dreiteiler? Warum zur Hölle drei mal 90 Minuten? Warum keine Serie? Warum mitten dort aufhören, wo die Geschichte spannend wird? Warum, warum, warum? Warum fällt es so schwer, einfach mal den Schritt zu wagen, eine Staffel von 10, 11, 12 mal 45 Minuten zu produzieren? Mit ordentlichem Anfang, Spannungsbogen und einem ordentlichen Cliffhanger am Ende. Warum muss man alles auf Tatort-Länge bringen?* Im Moment hört die Geschichte einfach an dem Punkt auf, an dem die viereinhalb Stunden voll sind. Einfach so. Mit einer kurzen Text-Zusammenfassung des aktuellen Standes. Ich fühle mich mit diesem Ende irgendwie betrogen. Ich habe mich eingelassen auf die Figuren, auf ihre Geschichte. Und plötzlich: der Abspann. Das alles wirkt nicht so, als sei es gewollt gewesen oder als wolle man die ZuschauerInnen auf eine mögliche zweite Staffel vorbereiten. Nein, es wirkt einfach so, als sei eine Stoppuhr von viereinhalb Stunden abgelaufen und man hat einfach so viel erzählt, wie in diese Zeit passte. Dann hat man einfach aufgehört.

Am Ende bleibt nur Eins: zu hoffen, dass sich die Entscheider beim ZDF nicht von den “mäßigen” Einschaltquoten abschrecken lassen und “Der gleiche Himmel” weiter produzieren. Vielleicht wird die “Serie” ja sogar im Ausland ein voller Erfolg, denn dort scheint man sich für den Stoff zu interessieren. Verdient hätte es diese spannende Geschichte… Und außerdem möchte ich verdammt nochmal wissen, wie es weitergeht!

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*Eine kleine Ergänzung: Bei der ARD-Serie Charité, hat man sich immerhin von der Fernsehfilm-Länge verabschiedet und (leider nur 6) Serien-Episoden produziert. Somit bringt es die Charité am Ende auch nur auf grobe viereinhalb Stunden Laufzeit. Ob die Geschichte dort besser funktioniert, steht noch aus. Als ich diesen Artikel geschrieben habe, wurden gerade erst 3 Folgen ausgestrahlt. Fun Fact: Auch Charité kommt aus dem Hause UFA Fiction.Titelbild: Lars Weber (Tom Schilling) spricht Lauren Faber (Sofia Helin) in einem Café an. ZDF, Bernd Schuller.

Über den/die Autor/in

Lucas Görlach
Lucas Görlach

Lucas Görlach produziert das Filmmagazin. Hauptsächlich drückt er also auf den Record-Knopf und schneidet am Tonbandgerät die Sendungen zusammen. Außerdem hat er einen Faible für Hörspiele und nur wenige Haare.

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